Russ ist chemisch aggressiv und korrosiv — fachgerechte Entfernung schützt Oberflächen, Hausrat und Elektronik vor Folgeschäden.
Nach einem Brand ist die schnelle und fachgerechte Russentfernung einer der wichtigsten Schritte überhaupt. Der Grund: Russ enthält säurebildende Bestandteile (besonders bei Kunststoff- und Elektrogerätebränden Chloride und Sulfate), die in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit aktiv Oberflächen, Metalle und Elektronik zerstören. Bereits nach wenigen Tagen können Korrosionsschäden auftreten, die weit teurer sind als der eigentliche Brandschaden.
Russ besteht aus winzigen Kohlenstoffpartikeln, die mit verschiedenen Brandgasen "beladen" sind. Diese Mischung hat zwei Eigenschaften, die spezielle Verfahren erfordern:
Wer Russ einfach mit feuchtem Tuch oder herkömmlichem Reinigungsmittel abwischt, riskiert: Verreiben der Partikel über größere Flächen, dauerhafte Verfärbungen, und im schlimmsten Fall das tiefere Eindringen in das Material.
Der erste Schritt ist immer trocken: spezielle Chemikalienschwämme aus vulkanisiertem Naturkautschuk nehmen Russpartikel auf, ohne sie zu verreiben. Auch Spezialvliese (sog. Russ-Aufnahme-Tücher) werden eingesetzt. Diese Vorreinigung ist arbeitsaufwendig, aber entscheidend, weil sie 70–90 % des Russes mechanisch entfernt — bevor Wasser ins Spiel kommt.
Erst nach der trockenen Vorreinigung folgt die Nassreinigung mit professionellen Russlösern. Diese sind chemisch auf die jeweilige Oberfläche abgestimmt — zu alkalisch greift Aluminium an, zu sauer beschädigt Naturstein. Profis verwenden je nach Material unterschiedliche Reiniger.
Bei stark verrussten, aber widerstandsfähigen Oberflächen (Mauerwerk, Beton, Stahlträger) kommt das Trockeneis-Strahlverfahren zum Einsatz: CO₂-Pellets werden mit Druckluft auf die Fläche geschossen, prallen mit Schalleffekt zurück und schlagen Russ und Anlagerungen mechanisch ab — ohne Wasser, ohne Strahlmittel-Rückstand. Besonders geeignet für Industriebrände und sichtbare Holzbalken.
Elektronische Bauteile, Schmuck, Werkzeug und andere wertvolle Kleinteile werden in Ultraschallbädern mit Spezialreinigern gereinigt — das schont die Substanz und entfernt selbst kleinste Russspuren aus Ritzen und Gewinden.
Vorhänge, Bettwäsche, Kleidung, Polstermöbel und Teppiche werden in speziellen Reinigungsbetrieben (Brandsanierungs-Wäschereien) chemisch gereinigt — meist erst nach einer trockenen Vorbehandlung mit Russ-Aufnahme-Pulver, das die Geruchs- und Russmoleküle bindet.
Die Korrosionswirkung von Russ beginnt bereits nach wenigen Tagen — besonders dann, wenn Löschwasser-Feuchtigkeit oder hohe Luftfeuchte im Raum vorliegt. Profis empfehlen daher, mit der Russgrundreinigung spätestens 48–72 Stunden nach dem Brand zu beginnen. Bei Wartezeiten von mehreren Wochen können erhebliche Folgeschäden entstehen — die unter Umständen nicht mehr von der Versicherung gedeckt sind, weil die Schadensminderungspflicht verletzt wurde.
Die Russentfernung ist regulärer Bestandteil der Brandsanierung und wird in der Regel von der Wohngebäude- bzw. Hausratversicherung übernommen. Wichtig ist die Schadensmeldung an die Versicherung vor Beginn der Sanierungsarbeiten — bei Direktabrechnung (Abtretungserklärung) erfolgt die Kostenabwicklung ohne Vorleistung Ihrerseits. Mehr Informationen.